Honda CX 500 Turbo 1980 - Tamiya 1/6
Hallo zusammen, auf Wunsch sollte ich diesmal die Honda CX 500 präsentieren. Leider - und für mich auch unverständlich gibt es von der Basisversion bis heute keinen Bausatz. Immerhin war dieses Motorrad für den damaligen Weltmarktführer die "eierlegende Wollmilchsau". Deshalb wählte ich die seltene CX 500 Turbo, die aufgeblasene Güllepumpe.
Im Dezember 1977 wurde die CX 500 vorgestellt, das Design traf nicht sofort den Nerv der Kundschaft. Doch sie hatte innere Werte in Form des wassergekühlten V-Motors mit dem ungewöhnlichen Zylinderwinkel von 80°, der sich in der Folgezeit als nahezu "unkaputtbar" erwies. Er war wartungsfreundlich und hatte ein für diese Hubraumklasse beachtliches Drehmoment. Immerhin sorgten 4 Ventile pro Zylinder für eine gesunde Beatmung. Nicht zuletzt durch den wartungsarmen Kardanantrieb avancierte die CX nach und nach zum beliebten Alltags- und Tourenmotorrad. Mehr als 40.000 Einheiten konnte Honda während der gesamten Bauzeit bis 1985 von der CX 500 in Deutschland absetzen.
Honda verpasste der CX in der Folgezeit nicht nur diverse optische Retuschen, ein anderes Fahrwerk ("Pro-link" statt Gabelschwinge mit 2 konventionellen Federbeinen hinten), päter auch einen größeren Motor mit 650 cm_ Hubraum in mehrere Varianten. Da gab es z.B. die Chopper CX 500 und 650 "C" mit Stufensitzbank, den Mini-Supertourer "Silverwing" mit wuchtiger Verkleidung (GL 500 und 650) und zeigte, in Köln auf der IFMA 1980, als Weltpremiere die hier gezeigte Version CX 500 mit dem Zusatz "T" wie Turbolader. 216 Patente sind in der CX 500 Turbo vereint. Die Maschine war die Sensation der IFMA 1980.
Der Turbomotor war eine weitgehend eigenständige Konstruktion und hatte nicht mehr viel Gemeinsames mit dem ursprüngliche Aggregat. Alles war etwas kräftiger dimensioniert, um der Belastung der 82 Pferdestärken Stand halten zu können. Zeitgenössische Testberichte bemängelten allerdings die Art der Leistungsentfaltung: Im unteren Drehzahlbereich spielte sich wohl vergleichsweise wenig ab, dann gab es eine Gedenksekunde für das Turboloch im mittleren Drehzahlbereich, bevor dann der Turbolader mit Brachialgewalt zu Werke ging. Diese Probleme wurden bei der nachfolgenden 650er deutlich abgemildert. Ein Verkaufsschlager war das Turbomodell dennoch nicht es war wohl zu teuer und in den meisten vielen Disziplinen den hubraumstärkeren Motorrädern unterlegen, nur 380 CX 500 Turbo wurden von 1982-1985 verkauft. Ein ganz rares Kleinod ist die CX 650 Turbo mit gerade mal 58 verkauften Maschinen, aber das ist eine andere Geschichte.
Meine erste Begegnung mit der CX 500 Turbo hatte ich bei der Bundeswehr. Kamerad Otto, stark kurzsichtiger Amateurboxer und Kickergenie hatte eine. (Er sang bei jeder Kugel, die er knallend im gegnerischen Tor versenkte, mit rauher Stimme die Zeile "O-ho-ho-hoo ich bin so heiß wie ein Fasan"). Ich war überrascht, wie stramm dieses Motorrad am Gas hing. Mein Bruder Michael hatte für kurze Zeit eine Silverwing, bevor er auf eine Michel-BMW umsattelte (er liebte halt die Abwechslung). Und bei meinem Nachbarn hat einer seiner Freunde eine Chopperversion untergestellt. Die Turbo-CX habe ich nur ein einziges Mal gesehen: In Venlo, vor einem großen Modellbaugeschäft!
Für die Verbreitung der Bezeichnung "Güllepumpe" hat Zeichner Brösel mit seinen Werner-Comics gesorgt und darin auch den charakteristischen Klang herausgestellt: Über fahrenden "Güllepumpen" war immer in fetten Lettern "VRROOOOP" oder so ähnlich zu lesen.
Zum Modell: Es entstammt einem Bausatz der Firma Tamiya. Für die Adleraugen unter Euch gibt es übrigens mindestens 2 Auffälligkeiten zu entdecken. Viel Spaß bei der Suche. Die kleinere Turbo ist Maßstab 1/12. Beste Grüße vom NiedeR100Rhein Peter
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